Wie nachhaltig sind deine Lieblingsmarken?

Sportmarken unter der Lupe – PUMA Top im Ranking

Wenn wir uns Sportschuhe kaufen sind meist zwei Sachen wichtig: sie müssen schick und funktional sein. Was dabei nicht so eindeutig sichtbar ist: die schicken Sportschuhe aus dem Geschäft erzählen ihre ganz eigene Geschichte. Und die beginnt oft bei einem Rind.

Denn viele Sportschuhe sind aus Leder gemacht. Zumeist wird die Nachfrage nach diesem Leder durch Rinderfarmen in Brasilien gedeckt. Dafür wird oft Platz gemacht und müssen, mal wieder, Wälder des Amazonas weichen. Zudem leben die Mitarbeiter auf den Farmen zumeist in Baracken und erleiden mitunter, ebenso wie die Rinder, Misshandlung und Folter.

Die Rinderhäute werden daraufhin zumeist nach Indien oder Bangladesch verschifft um gegerbt zu werden. Die dabei gebrauchten Chemikalien verschmutzen oft das Grundwasser wodurch der regionale Landbau Schaden nimmt. Auch hier sind die Konsequenzen für Arbeiter nicht selten drastisch: Verschmutzung der Atemwege, Asthma und Hautkrankheiten oder auch Krebs und Erblindung.

Um eines vorweg zu nehmen: keine der durch uns untersuchten Sportmarken liefert klare Informationen dazu, ob der Bezug von Leder aus Amazonasgebieten eindeutig vermieden wird. Das ist sehr ernüchternd und wir fordern insbesondere zu diesem Thema mehr Transparenz.

Die Ergebnisse der Untersuchungen

Wir haben 16 Sportmarken, speziell, aber nicht nur in Bezug auf Schuhe, untersucht. Die folgende Scorecard zeigt das Gesamtranking. Puma hat die Topposition inne.


Klimaschutz

Bei Fragen zum Klimaschutz interessiert uns, ob die Hersteller eine grundsätzliche Strategie zum Klimaschutz verfolgen, ihre Klimabilanz veröffentlichen und über eventuelle Emissionsreduktionen berichten. Zudem wollen wir klare Äußerungen über weitere Reduktionsziele in den nächsten Jahren (mind. 20% innerhalb von 5 Jahren).

Puma tut sich im Bereich Klimaschutz besonderes erwähnenswert hervor und erhält als einzige Marke die volle Punktzahl. Unter anderem hat Puma die CO2-Emissionen der eigenen Geschäftsbereiche zwischen 2011 und 2010 um rund 12,6% gesenkt. Keine andere Marke konnte vergleichbar gute Werte aufweisen, beziehungsweise veröffentlichen die meisten anderen Hersteller ihre Klimabilanz gar nicht erst. Die gute Bewertung beim Klimaschutz ist auch der hauptsächliche Grund dafür, dass sich Puma gegenüber allen anderen Sportmarken im Gesamtranking absetzen konnte.

Die Marken New Balance, Helly Hansen, Lotto Sport, Uhlsport und Asics sowie die Markeneigner Adidas-Gruppe (Adidas und Reebok), Nike Inc. (Nike und Umbro) sowie Hanesbrands (Champion) haben ebenso erste Punkte beim Klimaschutz erreicht. Diese Marken(eigner) berichten zumindest über ihre Strategien zum Klimaschutz. Keine dieser Marken kann jedoch vergleichbar gute Emissionsreduktionen und weiterführende Klimaschutzziele wie Puma aufweisen. Aus diesem Grund liegen all diese Marken beim Klimaschutz mit einem klaren Abstand hinter Puma zurück.

Ganz abgeschlagen sind zudem die Marken Kappa, Fila, hummel, Diadora und Lonsdale. Diese Marken veröffentlichen gar keine Informationen  zum Klimaschutz und erhalten daher in diesem Bereich keinen Rankingpunkt.

Umweltschutz

In Bezug auf Umweltschutz interessierte uns im Kern die Verarbeitung von biologischen oder rezyklierten Rohstoffen, sowie der Umgang mit Wasser und Chemikalien. Speziell wollten wir wissen, ob die Marken den Einsatz von Chromium III und Chromium VI bei der Gerbung von Leder ebenso wie den Einsatz von PVC ausschließen. Zudem, ob sie sich klar dagegen aussprechen, Leder von Rinderfarmen aus Amazonasgebieten zu beziehen. Auch interessierte es uns, ob der Gerbrauch von Lösungsmitteln für Schuhe reduziert wird und die durchschnittlichen Werte der flüchtigen organischen Verbindungen (VOC), unter deren Anwendung Menschen dauerhaft erkranken können, der einzelnen Hersteller nicht höher als max. 40gr. pro produziertem Paar Schuhe sind.

Nike, Puma und Adidas berichten am transparentesten über ihren Einsatz zum Umweltschutz und haben daher auch in diesem Bereich des Rankings die Nase vorn. Nike ist, ebenso wie Adidas Mitglied in der Better Cotton Initiative und bezieht daher bereits einen nicht geringfügigen Anteil an biologischer Baumwolle. Bis zum Jahr 2020 hat sich Nike zudem das Ziel gesetzt, zu 100% nachhaltig produzierte Baumwolle zu beziehen. Ob diese Ziele allerdings auch für die Nike Inc. Marke Umbro zutreffen wird aus der Nachhaltigkeitsberichterstattung von Nike Inc. nicht deutlich. Die Adidas-Gruppe (Adidas & Reebok) hat sich das gleiche Ziel wie Nike gesteckt, jedoch bereits zum Jahr 2018.

Puma berichtet hingegen, dass bereits im Jahr 2011 16% der Kleidung aus nachhaltigen Rohstoffen (Cotton made in Africa) produziert wurden. Über den Gebrauch von biologischen oder rezyklierten Rohstoffen, berichten zudem ebenso die Marken Helly Hansen, Champion, New Balance, Asics und hummel. Unklarheit herrscht hingegen bei Lotto Sport, Kappa, Fila, Uhlsport, Diadora und Lonsdale.

Die geringsten VOC Werte pro Paar Schuhe kann aktuell Nike mit ca. 14gr. pro Paar Schuhe aufweisen. Es folgen: Adidas mit 23 gr. und Puma mit 37gr. Nike, Puma, Umbro und Asics berichten zudem, dass ihre Produkte PVC-frei sind. Die Adidas-Gruppe berichtet, dass dies beinahe der Fall ist. Die anderen Marken berichten keine oder unzureichende Informationen zur Verwendung von PVC.

Bezüglich der Beseitigung gefährlicher Chemikalien und eines umweltfreundlichen (Ab)Wassermanagements haben Puma, Nike Inc. (Nike & Umbro) und die Adidas-Gruppe (Adidas & Reebok) das Zero-Discharge Commitment von Greenpeace unterzeichnet. Produkte von Helly Hansen sind hingegen zu Teilen bluesign zertifiziert. Die restlichen Marken berichten nichts oder unzureichendes zum (Ab)Wassermanagement und Chemikaliengebrauch im Produktionsprozess.

Faire Arbeitsbedingungen

In Bezug auf Arbeitsbedingungen wollten wir wissen, ob die Marken einen Verhaltenskodex haben der z.B. Kinderarbeit verbietet oder einen fairen Lohn fordert. Die Forderung nach Mindestlöhnen ist dabei für uns nicht ausreichend. Es muss ein lebbarer Lohn gefordert werden, der die Existenz der Arbeiter in den Fabriken realistisch sicherstellt. Zudem wollen wir wissen, ob die Marken Mitglied einer Multi-Stakeholder-Initiative (MSI) sind die sich gemeinsam mit den Herstellern für faire Arbeitsbedingungen in den Zulieferbetrieben einsetzt.

Sämtliche Marken – Puma, Nike, Adidas, Reebok, Umbro, Champion, New Balance und Asics sind Mitglied in der Fair Labor Association (FLA). Damit hat die NGO in der Sportmodeindustrie eine sehr starke Position eingenommen und ist somit die gewichtigste MSI. Die FLA weist jedoch nicht unbedingt die bestmöglichen Standards und Arbeitsweisen auf. Der eigene Verhaltenskodex der FLA, welchen die Hersteller oft übernehmen und sich darauf beziehen, entspricht beispielsweise nicht zumindestens den Kernarbeitsnormen der International Labour Organization (ILO). Der Verhaltenskodex hat Schwächen zu Arbeitszeiten, Lohn und Vereinigungsfreiheit / Gewerkschaftsbildung. Das sind jedoch sehr sensible Punkte welche oft anderen Problemen wie Kinderarbeit strukturell vorgelagert sind. Alle genannten FLA-Mitglieder haben daher keinen besonders vorbildlichen Verhaltenskodex. Zudem kündigt die FLA Besuche bei Zulieferbetrieben für Auditierungen an. Auch das ist keine optimale Arbeitsweise. Insgesamt jedoch bewerten wir das gemeinsame Engagement der Marken mit der FLA nichtsdestotrotz als einen positiven und wichtigen Entwicklungsschritt.

Den besten Verhaltenskodex weist Helly Hansen auf. Klare Bestimmungen zu Arbeitszeiten fehlen jedoch auch bei Helly Hansen. Helly Hansen engagiert sich ebenfalls in einer MSI für die Durchsetzung fairer Arbeitsbedingungen – der Ethical Trading Initiative Norway (ETI-Norway). Somit ist Helly Hansen auch die einzige Marke, die Mitglied einer anderen MSI statt der FLA ist.

Alle Marken die im Schlussfeld des Rankings liegen – Lotto Sport, Kappa, Fila, hummel, Uhlsport, Diadora und Lonsdale, berichten hingegen nichts über eine Mitgliedschaft in einer MSI. Im Gegenteil dazu haben wir bei Uhlsport vor einigen Monaten gar irrenführende Angaben zur Mitgliedschaft in der Business Social Compliance Inititative (BSCI) aufgedeckt. Die Verhaltenskodizes der Marken im Schlussfeld des Rankings sind zudem sehr unzureichend, beziehungsweise wird ein solcher Kodex gar nicht erst veröffentlicht.

Keine aller untersuchten Sportmarken macht zudem explizit deutlich, ob deren Verhaltenskodex für Zulieferer, sofern existent, auch für Betriebe in der Lederproduktion Anwendung findet.

Lobenswert hervorzuheben ist hingegen, dass Nike Inc. (Nike und Umbro) und die Adidas-Gruppe (Adidas und Reebok) die Namen und Adressen ihrer Zulieferer veröffentlichen. Das ist insgesamt eher selten und wird oft mit Wettbewerbsargumenten verteidigt. Nike Inc. und Adidas-Gruppe setzen an dieser Stelle ein klares Zeichen hinsichtlich Transparenz.

Résumé

Es bleibt festzuhalten, dass insbesondere die großen Markenhersteller mit einer sehr ausführlichen Berichterstattung zur Nachhaltigkeit aufwarten und am konkretesten über Maßnahmen und erreichte Ziele im Nachhaltigkeitsmanagement berichten. Ein Grund dafür ist sicher auch das große öffentliche Interesse zu ethischen und umweltfreundlichen Verhaltensweisen bei großen Modekonzernen.

Der Schuh hinsichtlich Transparenz zur Nachhaltigkeit drückt hingegen sehr bei den mittelgroßen Marken. Ein gesteigertes öffentliches Interesse zur Unternehmensverantwortung bei diesen Herstellern wäre daher ebenso sehr wünschenswert und im Grunde nur konsequent. Themen für ein gesteigertes öffentliches Interesse gegenüber allen Herstellern gibt es in jedem Fall viele. Die Lederproduktion, wie eingangs exemplarisch hervorgehoben, wäre ein möglicher Schwerpunkt.

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One Comment

  1. Posted 19/02/2013 at 9:24 pm | Permalink

    Puma ist einfach nicht nur Kult, sondern wie man sieht auch Nachhaltig

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