Wie nachhaltig sind deine Lieblingsmarken?

Kaum Transparenz zur Nachhaltigkeit bei Deutschen Brauereien

Im September haben wir unsere Fans auf Facebook gefragt: Was sind eure Lieblingsbiermarken? Die Top10 hatten wir daraufhin im Oktober untersucht. An die Spitze des Rankings hatte es dabei Neumarkter Lammsbräu geschafft, gefolgt von Astra und Guinness. Im November haben wir von uns aus den Blick auf acht weitere Marken gerichtet. Diesmal im Fokus: Marken die es in unserer Nutzerabstimmung nicht in die Top10 schafften, jedoch im Jahr 2011 zu den meistabgesetzten Biermarken in Deutschland gehörten. Untersucht hatten wir daher noch die folgenden Marken: Oettinger, Bitburger, Warsteiner, Hasseröder, Veltins, Paulaner, Radeberger und Erdinger.

Erfreuliche Ergebnisse folgten den Untersuchungen jedoch kaum. Hasseröder, mit einem C-Label, und Paulaner, mit einem D-Label, schnitten von den im November untersuchten Marken noch am besten ab. Alle anderen Marken haben hingegen lediglich ein E-Label erhalten – die letzte Bewertungsstufe im Ranking. Zurückzuführen ist das auf die geringe Transparenz zur Nachhaltigkeit. Eingereiht in das Ranking zu den beliebtesten Biermarken unserer Nutzer (Augustiner, Astra, Beck´s, Rothaus, Flensburger, Sternburg, Jever, Neumarkter Lammsbräu, Guinness und Krombacher) hat sich somit das folgende aktuelle Gesamtranking ergeben.

Neumarkter Lammsbräu weiterhin beste Marke im Ranking

Die Privatbrauerei aus Neumarkt in der Oberpfalz behauptet sich im Ranking also auch gegenüber den größten Brauereien Deutschlands. Bereits in der Berichterstattung ist die Marke dabei Traditionsmarken wie Krombacher und Veltins oder Brauereigruppen wie der Radeberger Gruppe und Warsteiner Gruppe einen klaren Schritt voraus, denn Neumarkter Lammsbräu berichtet nach dem höchsten Berichtsstandard der Global Reporting Initiative (GRI).  Auch kann die Marke Bestwerte beim Bezug von erneuerbarer Energie, dem Gebrauch umweltzertifizierter Rohwaren sowie der Bilanzierung zum Verpackungsmanagement für sich verbuchen. Bei den Effizienzwerten zum Wasserverbrauch und CO2-Ausstoß je produziertem Hektoliter Bier sind hingegen andere Marken besser.

Auf den weiteren Rängen

Die Marken Astra, Guinness, Beck´s und Hasseröder folgen auf den weiteren Plätzen, profitieren jedoch ausschließlich von der Nachhaltigkeitsberichterstattung ihrer internationalen Obergesellschaften Carlsberg Group (Astra), Diageo (Guinness) und ABInBev (Beck´s und Hasseröder). Gepunktet wird insbesondere durch hohe Emissions- und Wassereffizienzwerte bei der Bierproduktion sowie der Veröffentlichung der Wasser- und CO2-Bilanzen.

Das breite Schlussfeld wird von vielen Traditionsmarken gebildet. Marken wie Augustiner (die populärste Biermarke unserer Nutzer), Oettinger (absatzstärkste Biermarke in Deutschland in 2011) oder Rothaus (Badische Staatsbrauerei) erhalten durch wenig Transparenz zur Nachhaltigkeit kaum Punkte im Ranking.

Im internationalen Vergleich

Der im Jahr 2012 erstmalig veröffentlichte Bericht „The Environmental Performance of the European Brewing Sector“ des europäischen Dachverbands The Brewers of Europe bestätigt hinsichtlich Transparenz das Ergebnis unserer Untersuchungen: Deutsche Brauereien weisen im europäischen Vergleich die geringste Transparenz in Bezug auf Umweltleistungen auf. Einher geht diese Intransparenz mit dem wiederum deutlich größten Produktionsvolumen an Bier in Europa. Besonders auffällig ist, dass insbesondere Deutsche Brauereigruppen wie die Radeberger Gruppe, Brau Holding International, Bitburger Braugruppe oder Warsteiner Gruppe im Vergleich zu internationalen Brauereigruppen wie Carlsberg Group, ABInBev oder Heineken N.V. bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung klar im Verzug sind. Auf die Beurteilungsfähigkeit zur Nachhaltigkeit der mitunter populärsten Biermarken Deutschlands wirkt sich dieser Umstand nicht gut aus.

Die geringe Auskunftsfreudigkeit zur Nachhaltigkeit kann für Deutschlands Brauereien in Zukunft wesentliche Reputations- und Regulierungsrisiken bedeuten welche sich auf das betriebswirtschaftliche Ergebnis auswirken. Reputationsrisiken ergeben sich aus der erhöhten Verbrauchernachfrage nach nachhaltig produzierten Konsumprodukten sowie einer insgesamt kritischer werdenden Verbrauchergesellschaft. Regulierungsrisiken ergeben sich beispielsweise durch eine geplante EU-Regulierung zur Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen. Der dazu bereits 2011 veröffentlichte Gesetzesentwurf wurde zwar noch nicht aufgenommen. Es weist aber vieles daraufhin, dass eine Forcierung der Thematik auf politischer Ebene stattfindet und in Zukunft Gestalt annehmen wird.

Branchenbericht 2012 – Bier

Im Zuge unserer Untersuchungen haben wir im Dezember den “Branchenbericht 2012 – Bier” erstellt. Dieser Bericht bietet einen umfassenden Überblick zu den  Bewertungsgrundlagen für unsere Rankings im Biersektor, den aktuellen Stand zur Nachhaltigkeitsberichterstattung der untersuchten Biermarken, eine übersichtliche Erläuterung der Untersuchungsergebnisse sowie eine darauf basierende Handlungsempfehlung zum Nachhaltigkeitsmanagement und der Kommunikationsarbeit dazu.

Weitere Informationen zur Bestellung des Berichts sind hier zu finden.

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