Wie nachhaltig sind deine Lieblingsmarken?

Erstmals im Ranking: Supermärkte & Discounter

“Wie nachhaltig ist mein Supermarkt?” So lautete der Titel eines Workshops den wir Anfang Dezember letzten Jahres mit den Studenten der Alanus Hochschule des Studiengangs “Wirtschaft Neu Denken” abgehalten haben. Die rege Diskussion zu unserem Ansatz und ein darauffolgendes Brainstorming zur Entwicklung von Bewertungskriterien für Supermärkte & Discounter bedeuteten damals den Startschuss für das nun veröffentlichte Ranking der populärsten Lebensmittelmärkte unserer Nutzer.

Auf Grundlage einer Vorauswahl zur Abstimmung stehender Supermärkte & Discounter der Workshopteilnehmer, haben wir im Januar nämlich alle unsere Nutzer in die Entscheidung eingebunden, welche Lebensmittelmärkte in das Ranking kommen sollen. Die Umfrage erreichte schließlich knapp 1.200 Stimmen und ergab die folgende Endauswahl: Alnatura, Bio Company, Rewe, Penny, Kaiser’s, Real, Edeka, Kaufland, Lidl, Netto, Aldi Süd und Aldi Nord.

Die Bewertungskriterien

Der von uns entwickelte Fragenkatalog umfasst 29 Fragen zu den Bereichen Klimaschutz, Umweltschutz und fairen Arbeitsbedingungen / fairer Handel. Zum Klimaschutz wollten wir z.B. wissen, ob eine Klimabilanz erstellt wird, wie hoch die Emissionseffizienz pro Quadratmeter Verkaufsfläche ist, oder wie hoch der Anteil an erneuerbarer Energie am Gesamtstromverbrauch ist. Im Bereich Umweltschutz stellten wir Fragen zum prozentualen Sortimentsanteil von umweltzertifizierten Produkten, der Sortimentsgestaltung bzgl. Fisch und Käfigeiern, zu progressiven Tierschutzstandards bei Hühnern, Schweinen und Rindfleisch sowie Milchprodukten, zum Umgang mit Soja als Tierfutter, zum Umgang mit Palmöl, Einkaufstüten, Papiergebrauch, Abfallmanagment und Rezyklierungsquoten. Im Themenbereich Faire Arbeitsbedingungen / Fairer Handel stellten wir hauptsächlich Fragen zum Sortimentsanteil zertifizierter Produkte bei klassischen Fair Trade Produkten wie Kakao, Kaffee, Tee oder tropischen Früchten. Besonders haben uns dabei die Eigenmarken der untersuchten Supermärkte & Discounter interessiert. Der Fragenkatalog mit allen Hintergrundinformationen und spezifischen Bewertungskriterien kann hier vollständig eingesehen werden.

Das Ergebnis der Untersuchungen

Die gemeinsamen Spitzenreiter im Ranking: Alnatura und Bio Company

Mit 16 von 29 möglichen Punkten und somit einem B-Label stehen Alnatura und Bio Company gemeinsam auf Platz 1 im Ranking. Dies ist vor allem durch das 100%ige Biosortiment zu erklären, durch das sich viele der Umweltfragen, auch in Bezug auf Fisch, Eier und Tierschutzstandards positiv beantworten ließen. Zudem benutzen beide Unternehmen nur rezykliertes oder aus verantwortlichen Quellen stammendes Papier. In Bezug auf messbare Resultate der getroffenen Klimaschutzmassnahmen sowie den Sortimentsanteilen Fair Trade zertifizierter Produkte, halten sich jedoch beide Märkte bedeckt.

Rewe und Penny im vorderen Mittelfeld

Rewe und Penny, beides Marken der Rewe Gruppe, schneiden mit 12 von 29 Punkten, einem C-Label, als beste Lebensmittelmärkte der größeren Kategorie ab. Die Gründe dafür: – Transparenz zu den Massnahmen beim Klimaschutz, – hohe Emissionseffizienz pro Quadratmeter Verkaufsfläche, – konkrete Angaben zum Biosortiment, – über gesetzliche Standards hinausgehende Strategien zur Haltung von Hühnern für das gesamte Sortiment , – implementierte Strategien zum Bezug von nachhaltigem Soja und Palmöl sowie eine vorbildliche Strategie zum Papiergebrauch. Zudem garantieren Rewe und Penny aktuell als einzige größere Lebensmittelmärkte den Sortimentsausschluss von Käfigeiern. Auch werden Käfigeier nicht in Produkten der Eigenmarken verarbeitet. Zum Gesamtsortiment an Fisch, zu Tierschutzstandards bei Rind und Schweinefleisch, sowie zur Umwelteinflussminimierung von Verpackungen und Abfall fehlen jedoch bis dato konkrete Informationen.

Kaiser’s und Real mit einem D-Label

Kaiser’s und Real setzen sich von den Lebensmittelmärkten im Schlussfeld vor allem durch eine ebenfalls veröffentlichte Klimabilanz und sowie konkrete Angaben zum Sortiment umweltzertifizierter Produkte ab. Beide Märkte, bzw. deren Muttergesellschaften (Metro AG bei Real und Tengelmann bei Kaiser’s) deuten somit an, dass grundlegend wichtige Massnahmen im Nachhaltigkeitsmanagement bereits umgesetzt werden. Insbesondere mit Bezug auf die Implementierung von progressiven Tierschutzstandards sowie Strategien zum nachhaltigen Bezug von Soja und Palmöl fallen die Metro AG und Tengelmann jedoch hinter der Rewe Gruppe zurück. Im Bereich Arbeitsbedingungen / fairer Handel können zudem auch Kaiser’s und Real kaum Punkte erzielen.

Breites E-Label Schlussfeld

Edeka, Kaufland, Lidl, Netto, Aldi Süd und Aldi Nord schneiden im aktuellen Ranking mit einem E-Label ab. Edeka schrammt dabei mit 4 von 29 Punkten knapp an einem D-Label vorbei. Der Supermarkt macht positiv bewertbare Angaben zum Bezug von Soja als Tierfutter und Palmöl. Im Jahr 2009 wurde zudem erstmals eine Klimabilanz erstellt. Diese war für uns jedoch nicht auffindbar und konnte deshalb nicht in die Bewertung einfließen. Die anderen Supermärkte haben zwar bis auf Aldi Nord eigene Seiten zur “Unternehmensverantwortung” oder “Nachhaltigkeit” in ihrem Webauftritt eingerichtet. Aus den dortigen Informationen gehen jedoch keine konkreten Strategien zur Minimierung negativer Umwelt- und Sozialeinflüsse hervor.

Abschließend: Durchweg Intransparenz im Bereich faire Arbeitsbedingungen / fairer Handel

Auffallend ist, dass sich Deutschlands Supermärkte zu Themen des fairen Handels und fairen Arbeitsbedingungen bei klassischen Fair Trade Produkten wie Kaffee, Schokolade oder Bananen sehr bedeckt halten. Anders sieht es da bei unseren Nachbarn in den Niederlanden aus: der Tee und Kaffee der Eigenmarken der Niederländischen Supermärkte Deen und Jumbo wurde etwa komplett nach Sozialstandards – z.B. Fairtrade – zertifiziert. Albert Heijn weist hingegen eine transparente Berichterstattung zu den Fortschritten zu Zertifizierungen der Eigenmarken bei Tee, Kaffee und Schokolade auf. Der Supermarkt Plus berichtet hingegen, dass seit 2010 nur noch Fairtrade zertifizierte Bananen verkauft werden. Derartige Informationen kann bislang leider keiner der von uns untersuchten Supermärkte in Deutschland aufweisen.

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2 Comments

  1. Posted 16/05/2013 at 1:34 pm | Permalink

    haja klar…ich geh beruhigt im bio markt einkaufen wenns einmal pro jahr wieder nen schönen lebensmittel skandal gibt, bei dem man dann herausfindet das man ein jahr lang mist gegessen hat zum dreifachen preis…unterstützt lieber die lokalen bauern, das schmeckt dann auch besser 😉

  2. Maik
    Posted 18/06/2013 at 2:08 pm | Permalink

    für mich nicht nachvollziehbar rewe/penny, wo kräuter wie dill aus kenia eingeflogen werden. es kaum regionale produkte gibt.

One Trackback

  1. […] und Biocompany sind die nachhaltigsten Supermärkte 201314Jun Biofachhandel schlägt LEH: Beim Nachhaltigkeitsranking des Vereins Rank a Brand belegten Alnatura und Berliner Biocompany gleichauf Platz eins. Auf den Plätzen drei und vier […]

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