Wie nachhaltig sind deine Lieblingsmarken?

Ein Jahr nach Rana Plaza

Am 24 April 2013 kamen 1138 Menschen beim katastrophalen Zusammensturz der Kleidungsfabrik Rana Plaza in Dhaka, Bangladesch ums Leben. Seitdem haben mehr als 150 Textilhersteller den Accord on Fire and Building Safety in Bangladesh (kurz: Bangladesh Accord) unterzeichnet. Aus Deutschland haben unter anderem Adidas, Esprit, Hessnatur, KiK, Puma und Tchibo den Accord unterzeichnet. Insgesamt formen Deutsche Modehersteller die größte Landesgruppe, mit aktuell 47 Unterzeichnern.

 

Rana Plaza am 24.04.2013 – Bildquelle: Clean Clothes Campaign


Was bedeutet jedoch die Unterzeichnung des Bangladesh Accord? Die Unterzeichner des Accord verpflichten sich, um innerhalb von fünf Jahren ein Feuer- und Gebäudesicherheitsprogramm für die Produktionsstätten ihrer Zulieferer aus Bangladesch umzusetzen. Die ILO (International Labour Organization) nimmt dabei eine zentrale Funktion ein.
Ein Lenkungsausschuss, welcher zu gleichen Teilen von Vertretern der unterzeichnenden Unternehmen, Vertretern der unterzeichnenden Gewerkschaften und eines neutralen Repräsentanten der ILO gebildet wird, übernimmt die Leitung. Eine zentrale Aufgabe des Lenkungsausschusses ist die Auswahl, Beauftragung, Kompensation und Überprüfung der durchgeführten Arbeiten der Sicherheitsinspektoren und Fortbildungskoordinatoren. Durchzuführen sind die entsprechenden Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsumstände auf allen Zuliefererebenen (Tier 1, 2 und 3). Tier 1 Zulieferer gelten dabei als direkte Zulieferer eines jeweiligen Unterzeichners. Diese genießen zusammen mit Tier 2 Zulieferern die höchste Priorität. Abschließend erfordert die Unterzeichnung des Bangladesch Accord auch eine veröffentlichte Berichterstattung zu den Fortschritten der getroffenen Maßnahmen.

Den Bangladesh Accord gilt es bisher als eine wichtige Errungenschaft zu würdigen. Abzuwarten bleibt jedoch, welche Resultate nach der gesetzten Zeitperiode von fünf Jahren erreicht wurden. Die Probleme in Bangladesch hören zudem nicht an der Landesgrenze auf. Auch in anderen Produktionsländern wie China oder Indien herrschen mitunter schlimme Umstände. Ebenso sind sichere Arbeitsbedingungen lediglich ein Aspekt um menschenwürdige Arbeitsbedingungen in den globalen Produktionsketten der Textilindustrie durchzusetzen. Die Erkenntnisse unserer Untersuchungen, zusammengefasst im FeelGoodFashion Report 2014, zeigen auf, dass die Hersteller der mitunter populärsten globalen Modemarken in ihrer Gesamtheit noch sehr weit von einem erstrebenswerten Status Quo bezüglich fairer Arbeitsbedingungen in der Produktion entfernt sind.

Denn, lediglich 53% der 368 von uns untersuchten Modemarken veröffentlichen einen Verhaltenskodex für ihre Zulieferer (Code of Conduct), in denen glaubhaft die folgenden Normen eingefordert werden: keine Arbeit unter Zwang, keine Kinderarbeit, keine Diskriminierung jeglicher Art, ein sicherer sowie hygienischer Arbeitsplatz. Zudem, nur 21% der untersuchten Marken machen darüber hinaus auch glaubhaft, dass mindestens zwei der folgenden Normen für Zuliefer ebenfalls verpflichtend sind: ein formell registriertes Arbeitsverhältnis, eine Arbeitswoche von maximal 48 Stunden sowie freiwillige, bezahlte Überstunden (max. 12 Std.), ein zum Leben ausreichendes Gehalt. Ebenso machen nur 31% der untersuchten Markenhersteller das Vereinigungsrecht im umfassenden Maße zur Pflicht. Lediglich 33% der untersuchten Markenhersteller haben sich zudem mindestens einer Multi-Stakeholder-Initiative (MSI) angeschlossen und / oder produzieren ihre Produkte zu einem bedeutenden Anteil in sozial zertifizierten Fabriken und / oder in Ländern mit geringem Risiko für Arbeiter. Ein noch tristeres Bild zeichnet sich, wenn es um die Berichterstattung zu den getroffenen Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen geht. Nur 9% der untersuchten Modemarken können bisher glaubhaft machen, dass mindestens 30% des Produktionsvolumens durch die Zulieferer den Standards des Verhaltenskodex entsprechen oder mindestens 80% auditiert wurden – jeweils verifiziert von einem unabhängigen dritten Akteur. Und, nur 7% der untersuchten Markenhersteller zeigen sich bisher so transparent, dass sie eine ausführliche Liste aller beauftragten, direkten Zulieferer veröffentlichen.

Der Status Quo ein Jahr nach Rana Plaza zeigt demnach auf, dass ein Großteil der Arbeit erst noch zu leisten ist, um menschenwürdige Arbeitsbedingungen in der gesamten Textilindustrie durchzusetzen. Eine nächste Katastrophe wäre jedenfalls alles andere als verwunderlich. Wir hoffen jedoch, dass der nächste große Impuls für Veränderung einen positiven Ursprung hat. Als vielsprechend erweist sich beispielsweise die Fashion Revolution Bewegung.

 

Fashion Revolution – Bildquelle: www.fashionrevolution.org

Related Posts