Wie nachhaltig sind deine Lieblingsmarken?

Supermarkt Ranking 2014 – Alnatura & Bio Company auf Platz 1

Wer im Alltag möglichst nachhaltig einkaufen möchte, kann mitunter keine große Unterstützung vom Supermarkt in der Nachbarschaft erwarten. Das Sortiment umweltfreundlicher und / oder fair produzierter Produkte ist oft sehr klein sowie undurchsichtig gekennzeichnet. Ob die Märkte klimafreundlich sind, bleibt in der Regel auch unklar. Übermäßiger Verpackungsmüll und Lebensmittelabfall sind eine weitere Problematik. Dies sind einige von vielen Berührungspunkten, die den Konsum unserer täglichen Konsumgüter betreffen. Verbraucher können zwar selbst einen gewichtigen Beitrag leisten, um nachhaltig einzukaufen. Die Fülle und Komplexität der Thematik erfordert jedoch, dass Lebensmittelmärkte vor allem von sich aus Verantwortung übernehmen und Verbrauchern einen nachhaltigen Einkauf so sehr es geht erleichtern. Darüber hinaus können viele Maßnahmen getroffen werden, die mit der eigentlichen Kaufentscheidung nichts zu tun haben, um den Einkauf in einem beispielsweise energieeffizienten Markt jedoch trotzdem ressourcenschonend zu gestalten.

Wie im Vorjahr haben wir wieder 12 der populärsten Lebensmittelmärkte Deutschlands auf ihre Maßnahmen zum Klima- und Umweltschutz sowie der fairen Produktion untersucht. Die untersuchten Unternehmen Edeka, Rewe, Lidl, Aldi Süd, Aldi Nord, Kaufland, Real, Kaiser’s, Penny, Netto, Bio Company und Alnatura haben am bundesweiten Lebensmitteleinzelhandel einen Marktanteil von mehr als 85% (Gesamtumsätze). Die Edeka Gruppe konnte dabei als Marktführer im Jahr 2010 einen Umsatz von 30-35 Mrd. Euro für sich verbuchen. Gegenüber dem Jahr 2006 bedeutet dies eine Steigerung um circa 5 Mrd. Euro. Auf den weiteren Plätzen folgen die Schwarz Gruppe (u.a. Lidl, Kaufland) mit 25-30 Mrd. Euro Umsatz in 2010 sowie die Rewe Gruppe (u.a. Rewe, Penny) mit 20-25 Mrd. Euro Umsatz in 2010.

Die starke Position der untersuchten Märkte im deutschen Lebensmitteleinzelhandel verlangt demnach eine sehr ausgeprägte Unternehmensverantwortung bezüglich der sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit. Während die wirtschaftlichen Kennzahlen durchweg beeindruckend sind, zeigen jedoch unsere Untersuchungsergebnisse, dass dies mit Blick auf Kennzahlen zum Klimaschutz, Umweltschutz und fairen Handel größtenteils noch längst nicht der Fall ist.

Die Besten & Schlusslichter

Die Ergebnisse unserer Untersuchungen zeigen aktuell eine klare Aufteilung zwischen vier Unternehmen, die das Feld deutlich anführen sowie fünf Unternehmen, die ein breites Schlusslicht bilden. Unter den Vollsortimentern führt Rewe klar das Feld an. Real, Kaufland, Edeka und Kaiser’s bleiben demgegenüber weit zurück. Noch deutlicher wird das Bild bei den Discountern. Hier konnte sich Penny gegenüber Netto, Aldi Süd, Lidl und Aldi Nord klar im Ranking absetzen. Auch in 2014 wird das gesamte Feld jedoch von den Biomärkten Alnatura und Bio Company angeführt.

Zur Methodik der Untersuchungen

Unseren Untersuchungsergebnissen liegen wie im Vorjahr 29 Bewertungsfragen zu den Themen Klimaschutz, Umweltschutz und faire Produktion zugrunde. Die Bewertungskriterien zu jeder einzelnen Frage können hier vollständig eingesehen werden. Die wichtigste Informationsgrundlage für unsere Bewertungen war die veröffentlichte Nachhaltigkeitsberichterstattung der Unternehmen. Darüber hinaus wurden auch öffentliche Angaben von Dritten Akteuren wie TransFair oder dem Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) in die Bewertung einbezogen. Nach Abschluss der Untersuchungen wurden den Unternehmen die Ergebnisse zugesandt. Die zweiwöchige Frist zur Bereitstellung weiterer Informationen nutzten in diesem Jahr jedoch nur die Rewe Gruppe sowie Alnatura.

Nachhaltigkeitsberichterstattung der Unternehmen

Die Form der Nachhaltigkeitsberichterstattung lässt bei den meisten der untersuchten Unternehmen deutlich zu wünschen übrig. Die beste Berichterstattung weist wie im Vorjahr die Rewe Gruppe auf. Im Vergleich zu allen anderen untersuchten Unternehmen zeigt die Rewe Gruppe für ihre Märkte Rewe und Penny am deutlichsten auf, welche Maßnahmen zu den jeweiligen Nachhaltigkeitsthemen umgesetzt werden, welche Ziele für die Zukunft formuliert wurden und was die aktuellen Kennzahlen in den einzelnen Themenbereichen sind. Klar verbessert hat sich zudem die Berichterstattung bei Alnatura, Real und Kaufland. Bei der Edeka Gruppe, Aldi Nord, Aldi Süd und Lidl ist die Berichterstattung zur Nachhaltigkeit hingegen noch klar zu dürftig.

Ergebnisse Klimaschutz

Mit vier von sechs möglichen Bewertungspunkten schneiden Real, Rewe und Penny bei den diesjährigen Untersuchungen am besten ab. Die Metro Gruppe (Eigner von Real) weist mit einer Verringerung der Klimaemissionen von 10,3 Mio. Tonnen in 2010 auf 8,9 Mio. Tonnen in 2012 die stärkste Verbesserung der absoluten Klimabilanz auf. Ebenso haben die Rewe Gruppe und Tengelmann (Kaiser’s) eine Klimabilanz veröffentlicht. Beide Unternehmen weisen dabei deutlich geringe Emissionswerte auf. Alle anderen untersuchten Unternehmen lassen ein Bilanzierung ihrer Klimaemissionen bisher vermissen, wobei Alnatura von einer Bilanzierung nicht überzeugt ist, Edeka hingegen eine erste Klimabilanz zumindest in Aussicht stellt.

Zur Emissionseffizienz je Quadratmeter Einkaufsfläche veröffentlicht hingegen nur noch die Rewe Gruppe Kennzahlen. Der Wert für die Märkte der Rewe Gruppe hat sich von 258 kg CO2e je Quadratmeter Einkaufsfläche in 2010 auf 234 kg CO2e je Quadratmeter Einkaufsfläche in 2012 verbessert. Ein wesentlicher Faktor dafür ist der Bezug von erneuerbarer Energie. Was den Bezug von Elektrizität aus erneuerbaren Quellen betrifft, überzeugt jedoch insbesondere Alnatura. Das Unternehmen bezieht für 77 seiner 80 Filialen Strom von den Elektrizitätswerken Schönau. Alle anderen untersuchten Unternehmen lassen eine in dieser Form eindeutige Angabe vermissen.

Ergebnisse Umweltschutz

Klarer Punktsieger sind hier die Biomärkte Alnatura und Bio Company. Beide Unternehmen erreichen mit 12 von 15 Bewertungspunkten die klar beste Bewertung in diesem Themenbereich. Zurückzuführen ist dies vor allem auf das vollständig umweltzertifizierte Sortiment, meist entsprechend des Mindeststandards der EU-Öko-Verordnung. Jedoch auch zertifizierte Produkte von weitergehenden Standards wie Naturland, Bioland und Demeter sind deutlich im Sortiment vertreten. Bei den konventionellen Märkten berichtet hingegen nur die Rewe Gruppe eine klare Relation des Umsatzes von umweltzertifizierten gegenüber konventionell produzierten Produkten. Bei Rewe stieg der Verkaufswert brutto von umweltzertifizierten Eigenmarken-Produkten zwischen 2010 und 2012 von 2,75% auf 3,14%. Bei Penny stieg der Verkaufswert brutto hingegen von 2,17% in 2010 auf 2,55% in 2012.

Ein Schwerpunkt der Untersuchungen wurde wieder auf den Tierschutz gelegt. Unter den konventionellen Märkten überzeugen dabei Kaufland, Rewe, Penny und Real zumindest mit klaren Maßnahmen zur Verbannung von Käfigeiern aus dem Sortiment, einschließlich der Eigenmarken-Produkte. Kaufland, Rewe, Penny, Edeka und Aldi Nord machen zudem deutlich, dass zumindest stark gefährdete Fischsorten nicht mehr angeboten werden sowie bei der Umsetzung bestandsschonender Fangmethoden mitgewirkt wird. Bezüglich umfassender Maßnahmen für eine artgerechte Tierhaltung bei Nutztieren, die über den gesetzlichen Standard hinausgeht, kann jedoch kein konventioneller Supermarkt ausreichend überzeugen.

Ein ähnliches Bild ergibt sich mit Blick auf die Maßnahmen zum Bezug von nachhaltig angebautem Soja und Palmöl. Lediglich die Rewe Gruppe macht deutlich, dass seit 2013 Palmöl für Eigenmarken-Produkte vollständig aus zumindest nachhaltigeren Quellen bezogen wird. Kaufland bezieht derzeit zudem rund 86% Palmöl für Eigenmarken-Produkte aus nachhaltigen Quellen. Bis Ende des Jahres soll sich dieser Wert auf 100% erhöhen. Noch mehr zurück liegen alle konventionellen Supermärkte beim Bezug von nachhaltig angebautem Soja. Außer Edeka und der Rewe Gruppe macht hier kein Unternehmen deutlich, welche Maßnahmen für einen zukünftig nachhaltigeren Bezug zumindest getroffen wurden.

Keines der 12 untersuchten Unternehmen wusste zudem mit positiven Resultaten zur Vermeidung von Abfällen und der Verringerung des Umwelteinflusses von Produktverpackung zu überzeugen. Lediglich die Rewe Gruppe hat neben der Beschreibung unterschiedlicher Maßnahmen wenigstens auch eine Bilanzierung der erzeugten Abfälle veröffentlicht, welche zwischen 2010 und 2012 allerdings angestiegen sind. Immerhin wurde dadurch jedoch etwas mehr Transparenz erzeugt.

Ergebnisse Fairer Handel

Wie im Vorjahr fristet dieser Themenbereich ein deutliches Schattendasein. Gerade mal drei von acht möglichen Bewertungspunkten reichen für Rewe aus, um sich bei den Themen zum fairen Handel an die Spitze zu setzen. Es folgen auf den weiteren Plätzen Alnatura, Bio Company und Penny, mit jeweils zwei von acht möglichen Punkten. Im Vergleich zu unseren Untersuchungen in den Niederlanden wird deutlich, dass deutschen Supermärkte noch immer kaum auskunftsfreudig sind, zu welchen Anteilen wenigstens die Eigenmarken-Produkte entsprechend Standards wie UTZ Certified, Rainforest Alliance oder Fairtrade zertifiziert wurden.

Zwar haben alle Märkte diverse sozialzertifizierte Produkte im Angebot. Der Verdacht liegt jedoch Nahe, dass zertifizierte Rohwaren wie Kakao, Kaffee, Tee, Reis oder Zucker bisher nur eher gering für die Produktion der Eigenmarken-Produkte bezogen werden. Für den Kakao der Eigenmarken-Produkte berichtet immerhin die Rewe Gruppe, dass der Anteil aus sozialzertifizierten Quellen aktuell bei 86% liegt sowie bis 2015 auf 100% erhöht werden soll. Real berichtet das gleiche Ziel, bleibt jedoch zu undeutlich, wie hoch der aktuelle Anteil bereits ist.

Genauso intransparent bleiben die Unternehmen, wenn es um die Produktion von Nicht-Lebensmitteln wie Kleidung oder Technik geht. Zwar berichtet eine Vielzahl der untersuchten Unternehmen ihre Mitgliedschaft in der Business Social Compliance Initiative (BSCI), darüber hinaus werden aber kaum konkrete Angaben dazu gemacht, inwiefern die Unternehmen menschenwürdige Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern bereits durchsetzen. Obwohl einige der untersuchten Märkte zu den gewichtigsten Textilherstellern in Deutschland gehören, lassen sie ihre Kunden, im Vergleich zu den reinen Textilunternehmen, noch deutlicher im Dunkeln stehen. Wenigstens Alnatura und Rewe berichten jedoch, dass sie auch GOTS zertifizierte Kleidungsstücke im Sortiment führen.

Fazit

Im Vergleich zum Vorjahr konnten insbesondere Kaufland, Real, Rewe, Penny und Edeka Verbesserungen bei der Nachhaltigkeitsleistung und / oder Berichterstattung aufzeigen. Die anderen Märkten stagnieren demgegenüber auf ihrem jeweiligen Niveau. Die Biomärkte Alnatura und Bio Company erhalten von uns auch in diesem Jahr wieder die Beurteilung “empfehlenswert”. Das ist allerdings vor allem auf das vollständige Bio-Sortiment zurückzuführen. Bei den Vollsortimentern und Discountern liegen hingegen Rewe und Penny klar vor der Konkurrenz. Die Rewe Gruppe lässt für ihre beiden Märkte am deutlichsten erkennen, dass nachhaltiges Einkaufen in ihren Märkten zunehmend erleichtert wird. Gegenüber allen untersuchten Unternehmen bleibt jedoch klar festzuhalten, dass noch sehr viel zu tun bleibt.

Unterstützt unsere Arbeit

Der Großteil unserer Arbeit wird von unseren großartigen Volunteers gestemmt. Wir sind stolz auf das was wir bisher erreicht haben. Allerdings wollen wir noch viel mehr erreichen. Es bleiben noch viele Marken aus vielen weiteren Branchen wie Kosmetik, Spielzeug oder Möbel zu ranken. Auch wollen wir unsere Arbeit auf weitere Länder ausweiten. Bisher sind wir in Deutschland und den Niederlanden aktiv. Dazu benötigen wir jedoch finanzielle Unterstützung. Wir arbeiten gemeinnützig und wenn du für uns spenden möchtet, freuen wir uns über jeden Beitrag – egal ob groß oder klein. Weitere Infos findest du hier. Danke!

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