Wie nachhaltig sind deine Lieblingsmarken?

Ranking Schuhe 2015 – Ethletic beste Marke

Das Kaufen fair und umweltfreundlich hergestellter Schuhe ist keine Leichtigkeit. Fans traditioneller Marken wie Meindl, Rieker oder Converse können bisher kaum Gewissheit darüber erlangen, wie nachhaltig ihre Schuhe wirklich produziert werden. Auch Schuhmarken wie El Naturalista, Think! Shoes oder Toms – die einen vermeintlich guten Ruf besitzen – werden bei vielen wesentlichen Themen nicht deutlich, wie es um ihren Sinn für Mensch und Natur wirklich bestellt ist. Diese Rückschlüsse ziehen wir nach der Aktualisierung unserer Rankings für Schuhmarken. Einbezogen haben wir dabei auch für diese Branche eine Vielzahl neu entwickelter, anspruchsvollerer Bewertungskriterien.

Nur eine Marke überzeugt

Wir haben 45 Schuhmarken auf ihre Maßnahmen und Resultate zu fairen Arbeitsbedingungen, Klima- und Umweltschutz untersucht, aber nur eine Marke überzeugt: Ethletic. Der Hersteller aus Lübeck überzeugt vor allem in den Themenbereichen Umweltschutz sowie Arbeitsbedingungen in der Produktion. Die Konfektion findet in Pakistan statt. Die Produktionsstätte ist nach dem FLO-Cert Standard zertifiziert. Auch die weiteren Produktionsstufen zur Herstellung und Weiterverarbeitung der Rohstoffe – überwiegend Bio-Baumwolle und Naturkautschuk – sind GOTS sowie FSC zertifiziert. Die Verwendung von Leder wird hingegen vermieden. In diesem Zusammenhang finden auch Chromsalze (zur Gerbung von Leder) keine Anwendung. Gleiches trifft auch auf andere bedenkliche Chemikalien wie PVC, Chlorphenole oder Azofarbstoffe zu. Allumfassend ist die Berichterstattung zur Nachhaltigkeit seitens Ethletic allerdings auch noch nicht. Bilanzierungen zum jährlichen Aufkommen von Abfällen und Verpackungsmaterialien sowie eine Klimabilanz fehlen beispielsweise bisher.


Bedingt empfehlenswert

Drei Schuhmarken erhalten unser C-Label und werden somit als bedingt empfehlenswert eingestuft: Timberland, Birkenstock und Veja. Alle drei Hersteller erzielen auf ganz unterschiedliche Weise positive Bewertungspunkte. Timberland überzeugt insbesondere bei den Maßnahmen zum Klimaschutz. Darüber hinaus weist Timberland, branchenübergreifend, eine insgesamt sehr fortschrittliche Berichterstattung zur Nachhaltigkeit auf. Veja punktet insbesondere bei Umweltschutzthemen wie dem Einsatz umweltfreundlicher Rohstoffe oder der Vermeidung bedenklicher Chemikalien. Die Schuhmarke aus Frankreich lässt hingegen viele positive Bewertungspunkte deshalb liegen, weil die Berichterstattung mitunter sehr veraltet ist. Ein Beispiel: der zuletzt veröffentlichte Bericht bezüglich Sozial-Audits, datiert von Februar 2009. Birkenstock erzielt die Mehrheit positiver Bewertungspunkte im Themenbereich Arbeitsbedingungen. Der Grund hierfür ist, dass die Produktion der Schuhe vollständig in Deutschland stattfindet. Risiken bezüglich schlechter Arbeitsbedingungen in der Produktion, beispielsweise schlechte Sicherheit, Kinderarbeit oder kein Vereinigungsrecht, gelten somit als grundlegend ausgeschloßen.

Kaum empfehlenswert

Schuhmarken die ein D-Label erhalten haben, stufen wir als kaum empfehlenswert ein. Dies betrifft aktuell die Marken Converse, Crocs, Lowa und Think! Shoes. Diese Hersteller können bisher kaum überzeugend darlegen, warum sie als nachhaltig eingestuft werden sollten. Insbesondere die schlechte Einstufung von Think! Shoes überrascht eventuell an dieser Stelle. Dieser Blog zu Think! Shoes, Toms und Pikolinos vom November letzten Jahres, kann auch heute noch als Grundlage für weitere Erklärungen herhalten.

Nicht empfehlenswert

36 der 45 der untersuchten Schuhmarken erhalten aktuell nur ein E-Label. Sie werden somit als nicht empfehlenswert eingestuft. Darunter befinden sich einerseits Traditionsmarken wie Deichmann, Rieker oder Meindl. Andererseits zudem Schuhmarken mit einem nachhaltigen Image wie El Naturalista und Toms. Und auch Lifestyle-Marken wie Ugg Australia oder Vans schneiden schlecht ab. Alle Hersteller eint im Kern das gleiche Problem: eine transparente Berichterstattung zur Nachhaltigkeit ist nur sehr geringfügig, zumeist jedoch gar nicht vorhanden.

Unsere bisherigen Erfahrungen lehren uns, dass dies kein gutes Anzeichen dafür ist, dass sich die entsprechenden Hersteller still und heimlich durch vorbildliche Praktiken in punkto Nachhaltigkeit auszeichnen. Für das allseits beliebte Credo “Tue Gutes und lass andere darüber reden” braucht es jedenfalls die entsprechende Informationsgrundlage. Auf unsere Anfragen für weitere Informationen haben aus dem Segment der E-Label Marken mit Deichmann, HUB Footwear, Geox und Keen zudem nur 4 der 36 Hersteller reagiert. HUB Footwear, Geox und Keen teilten uns jedoch mit, dass demnächst eine (ausführlichere) Berichterstattung zur Nachhaltigkeit veröffentlicht wird.

Alle Details zu den Rankings..

..können hier eingesehen werden.

Die Bewertungskriterien..

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4 Comments

  1. Posted 12/03/2015 at 11:21 am | Permalink

    Vivobarefoot taucht ja gar nicht in der Statistik auf. Kennt ihr die nicht oder habt ihr die vergessen?

  2. Posted 12/03/2015 at 12:50 pm | Permalink

    Hallo Sebastian, Vivobarefoot kennen wir und wird diese Marke auch öfter von anderen Nutzern für ein Ranking angefragt. Wir müssen allerdings mit unseren Kapazitäten haushalten, arbeiten jedoch an Lösungen, um in Zukunft noch viele weitere Marken in unser Ranking aufnehmen zu können. Grüße! Mario

  3. Kathrin
    Posted 12/03/2015 at 1:46 pm | Permalink

    Mich würden auch die Marken Grand Step Shoes, John W. Shoes und EKN footwear interessieren. Die sehen toll aus, bin mir aber nicht sicher was Leder und Herstellung betrifft… Danke jedenfalls für den Einblick, bei Schuhen gestaltet sich der nachhaltige Einkauf noch als sehr schwierig! LG Kathrin

  4. Francis
    Posted 22/03/2015 at 6:17 pm | Permalink

    Hallo liebes Team,

    ich habe eine Anmerkung zu Birkenstock:
    Die Gleichung “Produktion in Deutschland = automatisch fair” geht für mich nicht auf. Ich finde ihr macht es euch hier zu leicht und verfälscht dadurch das Ergebnis. Ich würde wirklich stark bezweifeln, dass mit dem Umzug der hessischen Produktionsstätte ethisch-arbeitsrechtliche Standards eingehalten werden. Ein “sicherer Arbeitsplatz” bedeutet für mich nicht nur, dass das Gebäude in dem ich arbeite, nicht über mir zusammenbricht sondern eben auch, ob ich einen unbefristeten Arbeitsvertrag habe, den Mindestlohn gezahlt bekomme oder eben doch durch ausländische Arbeiter_innen ersetzt werde, weil ich meiner Firma zu teuer werde …

    Vielleicht überdenkt ihr eure Bewertung ja noch einmal und passt sie nach einigen Recherchen an.

    Lieben Gruß

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