Wie nachhaltig sind deine Lieblingsmarken?

Nachhaltige Luxusmode – wenig Transparenz, viel Illusionen

Der globale Absatz von Luxusmode steigt seit vielen Jahren. Entsprechend einer Erhebung von Bain & Company, hat sich die Anzahl der Konsumenten für Luxusgüter in den letzten 20 Jahren mehr als verdreifacht – auf 330 Millionen. Länder wie China, Indien, Brasilien, Indonesien oder Mexiko gewinnen dabei als neue Absatzmärkte zunehmend an Bedeutung. Das verdeutlichen Luxuskonzerne wie Kering oder LVMH auch in ihren Jahresberichten. Auf entsprechende Wachstumsraten verweisen sie dabei klar und deutlich.

Die Produktion für Luxusmarken wie Gucci, Louis Vuitton, Prada oder Burberry internationalisiert sich jedoch ebenfalls. Im Rahmen unserer diesjährigen Rankings zur Nachhaltigkeit von Luxusmode wurde allerdings erneut deutlich, dass sich die Hersteller zu den Arbeitsbedingungen sowie Maßnahmen zum Klima- und Umweltschutz in der Produktion deutlich bedeckter halten.

Wir haben 32 Luxusmarken auf ihre Nachhaltigkeit untersucht. Die Top-Marke im Ranking ist, wie im Vorjahr, das britische Modelabel Stella McCartney. Mit einer C-Label Bewertung stufen wir jedoch auch Stella McCartney nur als ‘bedingt empfehlenswert’ ein. Alle anderen untersuchten Luxusmarken schneiden zudem noch schlechter ab. Die Marken Alexander McQueen, Balenciaga, Burberry, Gucci und Saint Laurent wurden mit einem D-Label als ‘kaum empfehlenswert’ eingestuft. Marken wie Armani, Dolce & Gabbana, Prada oder Versace, sowie 22 weitere Luxusmarken, stufen wir darüber hinaus mit einem E-Label als ‘nicht empfehlenswert’ ein.

Faire Produktion – wenig Transparenz, viel Illusionen

Die Marken halten zwar gerne das Bild aufrecht, dass ihre Mode noch immer vor allem in Ländern wie Italien, Frankreich oder England produziert wird. Jedoch vor allem in asiatischen Ländern wird ebenfalls produziert. Die Globalisierung der Produktion vollzieht sich darüber hinaus auch innerhalb der Landesgrenzen Europäischer Nationen. Am Beispiel der toskanischen Region Prato wird dabei deutlich, dass die Arbeitsstandards in der Bekleidungsproduktion auch innerhalb Europa’s erodieren.

Nach Angaben der Clean Clothes Campaign hat sich Prato in den letzten 20 Jahren zu einer der bedeutsamsten Regionen zur Produktion von Bekleidung in Italien entwickelt. Die Herstellung von Bekleidung wird dabei jedoch zu 80% von chinesischen Fabrikanten ausgeübt. Von extremer Flexibilität in punkto Arbeitszeiten sowie geringeren Produktionskosten profitieren dabei auch Luxusmarken wie Armani, Max Mara, Valentino oder Versace.

Über Maßnahmen zur Aufrechterhaltung guter Arbeitsbedingungen in der Herstellung der Kleidung, berichtet hingegen kein Unternehmen zufriedenstellend. Die britischen Marken Stella McCartney und Burberry schneiden aufgrund eines robusten Verhaltenskodexes (Code of Conduct) für Zulieferer sowie der Mitgliedschaft in der Multi-Stakeholder-Initiative Ethical Trading Initiative noch am besten ab. Wirklich deutlich machen allerdings auch diese Unternehmen nicht, wo sie produzieren und zu welchen tatsächlichen Bedingungen.

Noch schlechter stellt sich die Situation bei den anderen Luxusmarken dar: kein Unternehmen veröffentlicht einen zumindest auf dem Papier überzeugenden Code of Conduct. Über eine Mitgliedschaft in einer Multi-Stakeholder-Initiative wie der Ethical Trading Initiative oder Fair Wear Foundation berichtet ebenfalls keine weiteres Unternehmen. Auch werden keine Zuliefererlisten veröffentlicht. Modeunternehmen aus anderen Branchen, einschließlich Modehäusern wie H&M oder Zara, zeigen sich bezüglich all dieser Themen bereits wesentlich fortschrittlicher sowie transparenter.

Eine umfassende Berichterstattung zu eventuell durchgeführten Fabrik-Audits veröffentlicht ebenfalls keine der 32 untersuchten Luxusmarken. Auf dieser Grundlage ist somit keine Möglichkeit gegeben in Erfahrung zu bringen, welche Arbeitsbedingungen in den Fabriken zur Herstellung von Luxusmode vorherrschen. Ob beispielsweise existenzsichernde Löhne gezahlt werden, bleibt somit völlig unklar. Und auch zu den Arbeitsbedingungen in vorgelagerten Produktionsstufen, beispielsweise in Gerbereien, werden keine aussagekräftigen Angaben seitens der Luxusmarken gemacht.

Umweltschutz – Stella McCartney zeigt sich wegweisend

Luxusmodemarken verarbeiten in einem vergleichsweise intensiven Maße Leder sowie andere tierische Materialien in ihren Produkten. Dies geht klar zu Lasten der Natur. Neben dem Leid der Tiere kann sich das auch in einer klar schlechteren Umweltbilanz widerspiegeln. Stella McCartney schließt als einziges der 32 untersuchten Luxusmarken die Verarbeitung von tierischen Materialien wie Leder oder Pelz aus. Seide wird hingegen verarbeitet. Jedoch, dass ein Unternehmen alternative Ansätze statt des Gebrauchs von Leder und Pelz zur Herstellung von Luxusmode umsetzt, ist in jedem Fall wegweisend. Darüber hinaus verarbeitet Stella McCartney für einen bedeutsamen Anteil der Kollektion Bio-Baumwolle. Keine andere Luxusmarke kann bei diesen Themenpunkten auch nur ansatzweise mithalten.

Ein weiterer wichtiger Themenpunkt ist die Vermeidung von schädlichen Chemikalien zur Herstellung der Mode. Valentino veröffentlicht in diesem Zusammenhang als einziges Unternehmen eine überzeugende Berichterstattung zu den getroffenen Maßnahmen, Fortschritten sowie erreichten Resultaten zur Entfernung gefährlicher Chemikaliengruppen wie Alkylphenole oder Phthalate. Perfluorierte Chemikalien (PFCs) sind zudem in keinen Valentino Produkten mehr enthalten. Dies wurde in der Form auch seitens Greenpeace honoriert.

Burberry und Kering (Markeneigner von Alexander McQueenBalenciaga, Gucci, Saint Laurent und Stella McCartney) haben sich darüber hinaus als einzig weitere Unternehmen dazu geäußert, um bis 2020 alle gefährlichen Chemikaliengruppen aus der Produktion der Bekleidung zu entfernen. Eine vergleichsweise überzeugende Berichterstattung zu den gemachten Fortschritten, wie seitens Valentino, liefern sie allerdings nicht. Andere Unternehmen wie Armani, Dolce & Gabbana, Hermès, LVMH sowie Versace zeigen sich wiederum gar nicht bereit, um nötige Maßnahmen zur Entfernung gefährlicher Chemikalien umzusetzen.

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Etwas fortschrittlicher zeigen sich die Luxusmodehersteller bei ihrer Berichterstattung zu den getroffenen Maßnahmen zur Vermeidung von Müll. Hier können zumindest die Marken von Kering, LVMH, der Prada Group sowie Hermès teilweise punkten. Alle genannten Unternehmen veröffentlichen wenigstens eine Bilanzierung zum Müllaufkommen. Lediglich Hermès kann dabei jedoch mit einer Senkung des Müllaufkommen im Vergleich zum Vorjahr aufwarten. Bei Kering, LVMH und der Prada Group ist das Müllaufkommen hingegen gestiegen. Andere Luxusmarken veröffentlichen wiederum gar keine Bilanzen zum Müllaufkommen.

Klimaschutz – kein Luxusunternehmen überzeugt

Wieder sind es lediglich Kering, LVMH, Prada Group, Hermès sowie Burberry und Chloé die zumindest berichten, dass Maßnahmen zum Klimaschutz umgesetzt werden. Mit Ausnahme von Hermès veröffentlichen diese Unternehmen auch eine Klimabilanz. Lediglich Kering kann jedoch eine Reduktion der CO2-Emissionen zu den eigenen betrieblichen Aktivitäten aufweisen. Mit rund 2% – von 254,063 Tonnen CO2 in 2012 auf 248,888 Tonnen CO2 in 2013 – fielen die bisherigen Emissionseinsparungen jedoch auch hier verhältnismäßig gering aus. Chloé (rund +42%), Burberry (rund +13%) und LVMH (rund +6%) weisen demgegenüber sogar eine Steigerung der klimaschädlichen Emissionen auf. Die Prada Group hat für das Jahr 2013 zudem erst die erste Klimabilanz veröffentlicht. Ein Vergleich zu den Vorjahren ist somit noch nicht möglich. Gegenüber der Mehrheit der Luxusmodehersteller die noch gar keine Klimabilanz veröffentlicht haben, ist jedoch selbst das bereits ein positives Resultat.

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