Wie nachhaltig sind deine Lieblingsmarken?

Supermarkt Ranking 2015 – Alnatura Spitzenreiter

Nachhaltiger einkaufen wollen stets mehr Menschen. Die Nachfrage nach umweltfreundlich und fair hergestellten Produkten steigt. Auch das Angebot steigt entsprechend. Beschwerlich bleibt das Einkaufen mit guten Gewissen aber dennoch. Einen Anteil daran tragen auch Deutschlands Supermärkte, Discounter und Biomärkte. Das ergibt sich aus unserem aktuellem Ranking von 14 beliebten Lebensmittelhändlern. Die Kommunikation zum Thema ‘Nachhaltigkeit’ nimmt zwar zu – Substanz wird dabei jedoch zu wenig geboten.

Aldi Nord, Aldi SüdAlnaturaBio CompanyDenn’s, Edeka, Kaiser’s, Kaufland, Lidl, NettoPennyreal,-Rewe und Spar haben wir auf ihre Maßnahmen, Ziele und Resultate bezüglich Klima- und Umweltschutz sowie Fairness im Handel untersucht. Lediglich die Biomärkte AlnaturaDenn’s und Bio Company erreichen dabei unser B-Label und werden somit als empfehlenswert eingestuft.

Mit einem C-Label ist Rewe, wie im Vorjahr, der beste Vollsortimenter im Ranking. Edekareal,-, Kaufland und Kaiser’s bleiben mit einem D- oder E-Label hingegen abgeschlagen im Ranking zurück. Vergleichbar stellt sich die Situation bei den Discountern dar: Penny, ein Tochterunternehmen der Rewe-Group, reicht ebenfalls ein C-Label, um Aldi Nord, Aldi Süd und Netto klar hinter sich im Ranking zu distanzieren.

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Transparenz

Eine transparente Berichterstattung zur Unternehmensverantwortung ist die wesentliche Grundlage, um die Nachhaltigkeitsleistung von Unternehmen beurteilen zu können. Bei unserem Ranking wird deutlich, dass alle untersuchten Unternehmen durchaus zu Nachhaltigkeitsthemen kommunizieren. Jedoch kann diese Kommunikation bei den meisten Unternehmen kaum als umfassend und besonders aussagekräftig bezeichnet werden.

Zwar werden Schwerpunktthemen wie Energieeffizienz, Fisch, Tierwohl oder Palmöl in der Kommunikation der Händler besonders herausgestellt. Stichhaltig sind die bereitgestellten Informationen dabei aber kaum. Andere Themen wie erneuerbare Energie, (Verpackungs)müll, Ressourceneffizienz oder Fairer Handel werden zudem überwiegend ausgeblendet.

Lediglich Alnatura, die Rewe Group (Eigner von Rewe und Penny) und Metro Group (Eigner von real,-) veröffentlichen darüber hinaus einen Nachhaltigkeitsbericht. Im Vergleich zu Unternehmen aus anderen Industrien wie der Unterhaltungselektronik, Lebensmittelhersteller oder der Textilwirtschaft sowie im Hinblick auf die zentrale Rolle der untersuchten Lebensmittelhändler im deutschen Einzelhandel, ist das auffallend schwach.

Klimaschutz

Abgesehen von Aldi Nord berichten alle untersuchten Märkte über Maßnahmen zum Klimaschutz. Insbesondere Themen, die die Energieeffizienz in den Märkten betreffen, werden vordergründig kommuniziert. Mit Blick auf die unmittelbaren, kurzfristigen finanziellen Einsparpotentiale ist das nicht weiter überraschend. Positiv bewertbar bleiben derartige Maßnahmen dennoch, und können zudem als ein plastisches Beispiel herhalten, dass Investitionen in eine gesteigerte Nachhaltigkeitsleistung rentabel sein können.

Über die Emissionswerte je Quadratmeter Verkaufsfläche berichten mit der Rewe Group und Metro Group nur zwei Unternehmen. Mit 224 kg CO2e je Quadratmeter Verkaufsfläche (2014) erreicht die Rewe Group dabei den Bestwert. Die Metro Group weist hingegen einen Wert von 273 kg CO2e je Quadratmeter Verkaufsfläche für das Geschäftsjahr 2013/14 auf. Warum andere Märkte ihre Werte nicht kommunizieren, bleibt unklar. Es ist anzunehmen, dass ein enger Zusammenhang mit der Veröffentlichung einer gesamten Klimabilanz besteht. Wiederholt sind es lediglich die Rewe Group und Metro Group, die eine Klimabilanz veröffentlichen. Beide Unternehmen konnten dabei deutliche Verringerungen der Gesamtemissionen aufweisen.

Im Bezug auf das Thema erneuerbarer Energie bleibt die Berichterstattung der einzelnen Märkte ebenso überwiegend unklar. Hier sind es allein die Biomärkte AlnaturaDenn’s und die Bio Company die positive Bewertungspunkte erzielen. Alle weiteren untersuchten Märkte kommunizieren unzureichend oder gar nicht darüber, ob erneuerbare Energie bezogen wird. Kritisch ist zudem, dass kein Markt im Ranking konkrete, beziehungsweise überzeugende Ziele zur Reduktion der gesamten betrieblichen Klimaemissionen kommuniziert.

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Umweltschutz

Beim Umweltschutz überzeugen insbesondere die Biomärkte AlnaturaDenn’s und Bio Company. Dies ist jedoch wenig überraschend, denn Themen wie Öko-Landbau, Biodiversität, Tierwohl oder Ressourcenschutz bilden das Fundament der Geschäftsmodelle dieser Unternehmen. Der wachsende Erfolg von Biomärkten ist dabei ein weiterer klarer Fingerzeig, dass ökonomischer Erfolg und ökologische Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen. AlnaturaDenn’s und Bio Company punkten vor allem beim ‘Anteil umweltzertifizierter Produkte am Gesamtsortiment’ im Allgemeinen sowie ‘Fischfang’, ‘Tierwohl’, ‘Soja’ und ‘Palmöl’ im Speziellen.

Anders sieht es bei den Themen Ressourceneffizienz, Abfallaufkommen und Verpackungen aus. Hier bleiben auch die Biomärkte hinter den Erwartungen zurück und lassen Punkte im Ranking liegen. Alnatura macht noch am besten deutlich, welche Maßnahmen für eine gesteigerte Ressourceneffizienz umgesetzt werden, veröffentlicht eine aussagekräftige Bilanzierung zum Abfallaufkommen und nutzt fast vollständig recycelte und / oder zertifizierte Papiermaterialien für die eigenen Produktverpackungen, Hygieneartikel und Werbemittel.

Die untersuchten Vollsortimenter und Discounter schneiden im Themenbereich Umweltschutz deutlich schwächer ab. 41% positiv bewertete Fragen reichen Rewe bereits, um im Vergleich zu Märkten wie Edekareal,- oder Lidl das beste Resultat im Themenbereich Umweltschutz zu erzielen. Bei hingegen 0% positiv bewerteten Fragen stehen aktuell Kaiser’s und Spar.

Genaue Angaben zum ‘Anteil umweltzertifizierter Produkte am Gesamtsortiment’ machen seitens der Vollsortimenter und Discounter die Rewe Group, Netto und real,-. Mit einem Anteil von 4,8% liegt Rewe dabei vor real,- (3,0%), Netto (2,2%) und Penny (1,6%). Dass gefährdete Fischarten im Sortiment nicht angeboten werden, machen zudem Aldi Nord, Edeka, NettoRewePenny und real,- deutlich. Keiner der gerankten Vollsortimenter und Discounter kann jedoch zum jetzigen Zeitpunkt aufweisen, dass mindestens 85% des gesamten Fischangebots von beispielsweise MSC, ASC oder Naturland zertifizierten Quellen stammen.

Kein Vollsortimenter und Discounter erreicht eine gute Bewertung beim Tierwohl für Geflügel, Schwein oder Rind. Einzelne Märkte, wie Kaufland oder real,-, kooperieren zwar mit Tierschutzorganisation wie Vier Pfoten oder dem Tierschutzbund. Die Rewe Group entwickelt zudem eigene Standards (Pro Planet), welche auch Tierwohlthemen umfassen. Vor allem wird jedoch deutlich, dass alle Vollsortimenter und Discounter die Industrievereinigung Initiative-Tierwohl in den Vordergrund rücken. Diese Branchenlösung (Lebensmittelhändler, Landwirte und Unternehmen der Fleischwirtschaft) wird von Umwelt- und Tierschutzorganisationen wie dem BUND oder Tierschutzbund allerdings überwiegend kritisiert, mit Verweis auf ungenügende Standards und deren Design der Basis- und Wahlkriterien.

Bei den Themen Soja und Palmöl punkten vor allem Edeka und Rewe Group. Auch hier bestehen Kooperationen zwischen den Lebensmittelhändlern und Naturschutzorganisationen. So beispielsweise zwischen der Edeka Gruppe (für Edeka und Netto) und dem WWF. Bis zum heutigen Tage kann jedoch kein Unternehmen vermelden, dass für alle Produkte der Eigenmarken (Food und Non-Food), welche möglicherweise Palmöl enthalten, entweder Alternativen oder vollständig zertifiziertes Palmöl genutzt wird.

Ein weiterer wichtiger Themenblock im Ranking bezieht sich auf Ressourceneffizienz. Während wiederum die Rewe Group (für Rewe und Penny) und Metro Group (für real,-) vergleichsweise umfassend zum Thema berichten sowie eine Bilanzierung des betriebseigenen Müllaufkommens veröffentlichen, halten sich die anderen untersuchten Märkte deutlich bedeckter. Schließlich wird jedoch bei keinem aller untersuchten Händler umfassend deutlich, welche Maßnahmen zur Verringerung des Materialverbrauchs und Müllaufkommens (einschließlich Lebensmittelabfälle) im Allgemeinen sowie spezifisch für Tragetaschen, Versandverpackungen, Werbemittel, primäre- und sekundäre Produktverpackungen und Hygieneartikel der Eigenmarken umgesetzt werden. Entsprechende Resultate werden in diesem Zusammenhang ebenso spärlich veröffentlicht. Unternehmen aus anderen Branchen wie der Mode- und Lebensmittelindustrie sind diesbezüglich wieder ein ganzes Stück weiter.

Aufgrund ihrer zentralen Stellung im Markt, sind es allerdings gerade die gerankten Händler, die einen wesentlichen Einfluss darauf nehmen können, dass sich der Gebrauch von Ressourcen bei der Herstellung und Nutzung von Ge- und Verbrauchsgütern nicht nur effizienter gestaltet, sondern gar verringert. Neben der ökologischen Notwendigkeit gilt auch hier, dass die Kreislaufwirtschaft ökonomische Potentiale bereithält. Aktuell deuten lediglich die Rewe Group und Metro Group ansatzweise an, dass sie dieses Thema auf der Agenda haben. Die Rewe Group weist dabei auf, dass aktuell noch nicht umfassend erfasst wird, welche Mengen an verarbeiteten Rohstoffen, Verpackungsmaterialien und Prozessenergie Unternehmen zur Herstellung der gehandelten Marken- und Eigenmarkenprodukte einsetzen.

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Fairer Handel

Alle gerankten Lebensmittelhändler führen sozialzertifizierte Produkte wie Kaffee, Schokolade oder Tee im Sortiment. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn Lebensmittelkonzerne wie Nestlé, Ferrero oder Unilever verarbeiten heute alle mehr oder weniger Rohwaren, welche entsprechend Standards wie Fairtrade oder UTZ Certified produziert und gehandelt wurden. Über das Angebot solcher Produkte geht die Kommunikation der gerankten Lebensmittelmärkte jedoch kaum hinaus. So wird beispielsweise seitens keines Händlers deutlich gemacht, wie hoch der Anteil sozialzertifizierter Produkte am Gesamtsortiment ist.

Ebenso kann bis heute keiner der Lebensmittelhändler aufzeigen, dass alle Eigenmarken aus den Produktkategorien Kaffee, Tee oder Schokolade vollständig entsprechend Standards wie Fairtrade, UTZ Certified oder Rainforest Alliance zertifiziert sind. Oder ob eigene Maßnahmen zur Verbesserung der Produktionsbedingungen und des Handels der jeweiligen Rohstoffe darüber hinaus gehen. Auch werden kaum Informationen bezüglich Fair Trade Maßnahmen für andere Produktgruppen wie Südfrüchte, Reis oder Zucker veröffentlicht.

Die meisten Händler führen zudem Produkte im Sortiment, welche nicht den ‘Food’ sondern den ‘Non-Food’ Produktgruppen zugerechnet werden. So zum Beispiel Textil- oder Elektronikprodukte, aber auch Spielwaren oder Kosmetik. Die Berichterstattung zu getroffenen Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Produktionsketten für solche Produkte fällt ebenso mangelhaft aus. Auffallend ist jedoch, dass sich eine Vielzahl der Händler der Business Social Compliance Initiative (BSCI) angeschlossen hat (Rewe Group, Aldi Nord, Aldi Süd, Metro Group, Lidl und Edeka). Vereinzelt wird zudem über Kooperationen mit Organisationen wie der GIZ (Lidl) oder der Unterzeichnung des Bangladesh Accord (Aldi Nord und Aldi Süd) berichtet. Eine konkrete Berichterstattung zu den Ergebnissen der durchgeführten Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Produktionsketten für Non-Food Produkte gibt es allerdings von keinem der untersuchten Märkte. Immerhin, einige Unternehmen wie Alnatura oder Denn’s führen Textilprodukte im Sortiment, welche nach dem GOTS Standard produziert wurden.

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