Wie nachhaltig sind deine Lieblingsmarken?

Elektronik Ranking 2016 – Fairphone weiterhin Spitzenreiter

Wer vollends faire und umweltfreundliche Elektronikprodukte wie Smartphones, Computer und Fernseher kaufen möchte, wird auch im Jahr 2016 nicht auf seine Kosten kommen. Zumindest nicht bei bekannten Markenherstellern wie Apple, Fairphone, Samsung, Sony oder Lenovo.

VerbraucherInnen die auf einzelne Nachhaltigkeitsaspekte wie Klimaschutz, Vermeidung giftiger Chemikalien, Ressourcenschutz, Konfliktmineralien und / oder faire Arbeitsbedingungen in der Produktion besonderen Wert legen, können bei den von uns untersuchten Herstellern jedoch zumindest ansatzweise fündig werden. Das 2016er Update unserer Rankings für Elektronikmarken zeigt zudem, dass einige Hersteller – im Vergleich zu unserem vorherigen Ranking – gute Entwicklungen gemacht haben und das Thema Nachhaltigkeit zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Wie in den Vorjahren ist Fairphone allerdings weiterhin der Spitzenreiter im Ranking. Apple belegt zudem noch immer den zweiten Platz. Das ehemals drittplatzierte Unternehmen Nokia ist hingegen aus dem Ranking ausgeschieden. Die für das Ranking relevanten Produktkategorien, beispielsweise Telefone, wurden von Microsoft übernommen. HP ist somit die neue, drittplatzierte Marke im Ranking. Der größte Aufsteiger im Ranking ist ASUS. Im Vergleich zum vorherigen Ranking konnte der Hersteller aus Taiwan das Ranking von 6 auf 14 Bewertungspunkte verbessern (maximal möglich: 39). Die letztplatzierten Unternehmen sind hingegen noch immer ZTE und Nintendo.

 

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Klimaschutz

Apple erzielt hier die meisten Bewertungspunkte. Das Unternehmen trifft Maßnahmen für eine gesteigerte Energieeffizienz der Geräte und veröffentlicht Klimabilanzierungen selbst auf Produktebene. In Bezug auf die eigenen Betriebstätigkeiten macht Apple zudem u.a. deutlich, dass erneuerbare Energie für Elektrizität zu über 90% bezogen wird. Das ist im Vergleich zu allen anderen Herstellern der beste Wert. Allerdings wird noch nicht ausreichend genug verdeutlicht, welche Energiearten zu welchen Anteilen von wo bezogen werden. Ebenso bleibt noch zu sehr im Unklaren, inwiefern die als erneuerbar deklarierte Energie insgesamt zum Ausbau der Kapazitäten für die erneuerbare Energieerzeugung tatsächlich beiträgt.

Klar feststellbar ist hingegen, dass alle untersuchten Hersteller über getroffene Maßnahmen zum Klimaschutz berichten. Insbesondere eine gesteigerte Energieeffizienz der Geräte wird dabei in den Vordergrund gerückt. Abgesehen von Fairphone veröffentlichen zudem alle Unternehmen mindestens eine Scope 1 & 2 Klimabilanz zu den eigenen Betriebstätigkeiten. Im Vergleich zu den Emissionen in der Produktionskette machen diese jedoch den verhältnismäßig geringste Anteil aus. Zu Emissionen in der Produktionskette wird die Berichterstattung bei den meisten Herstellern allerdings bereits wesentlich ungenauer. Die Berichterstattung und Bilanzierung zu den umgesetzten Klimaschutzmaßnahmen in der Produktionskette muss zukünftig deutlich besser werden.

Umweltschutz

Die Aspekte des Umweltschutzes bei der Herstellung von Elektronikprodukten sind sehr vielfältig. So ist einerseits die Entfernung giftiger Chemikalien wie PVC, bromierte Flammschutzmittel (BFR), Phthalate oder Benzol wichtig. BlackBerry punktet hier, unter allen untersuchten Herstellern, mit drei von vier möglichen Bewertungspunkten am besten. Das Unternehmen hat PVC, BFR, Beryllium und Phthalate aus der Produktion entfernt. Fairphone, Apple, ASUS und Motorola erzielen zudem immerhin zwei Bewertungspunkte. Unternehmen wie HTC, Huawei, Samsung, Nintendo oder ZTE machen hingegen kaum deutlich, wie deren Status bezüglich der Entfernung giftiger Chemikalien ist.

Der Schutz von Ressourcen wie Wasser, Land oder pflanzliche Rohstoffe wird im Ranking ebenfalls erfasst. Kein Unternehmen wartet jedoch zu all diesen Themen mit wirklich überzeugenden Resultaten auf. Das betrifft insbesondere das Thema Landnutzung. Zu diesem Thema wird im Grunde kein Unternehmen wirklich deutlich. Verbesserungen bezüglich Verpackungsmaterialien, dem Recycling von Plastik und dem Verbrauch von Wasser werden hingegen vereinzelt berichtet. HP erzielt zu diesen Themen die meisten Bewertungspunkte, gefolgt von ASUS.

Eine gesteigerte Lebensdauer und Modularität der Geräte weisen ebenfalls einen engen Zusammenhang zum Ressourcenschutz auf (und können den Geldbeutel schonen). Hier setzt weiterhin Fairphone die Maßstäbe. So können Ersatzteile einfach nachbestellt werden. Das Ladekabel wird zudem nur optional zum Produkt angeboten. Via iFixit werden des weiteren ausführliche Tutorials zur Reparatur des Telefons bereitgestellt. Entsprechende iFixit Tutorials gibt es mittlerweile jedoch auch für die anderen Hersteller.

 

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Faire Produktion

Bezüglich fairer Arbeitsbedingungen in der Produktion werden von uns insbesondere zwei Themenschwerpunkte gesetzt: Konfliktmineralien und faire Arbeitsbedingungen in den Produktionsstätten. Mit neun von 14 möglichen Bewertungspunkten erzielt Fairphone hier die beste Bewertung. Zwar kann auch das Fairphone nicht als vollständig ‘fair’ gelten. Die getroffenen Maßnahmen zum Bezug konfliktfrei abgebauter Mineralien (vor allem bezüglich Zinn und Tantal) sowie zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Produktionsstätte in China weisen jedoch vergleichsweise überzeugende Resultate auf.

Auf den weiteren Plätzen folgen Apple und HP, mit acht beziehungsweise sieben erzielten Bewertungspunkten. Unter den großen Herstellern erweisen sich Apple und HP,  zusammen mit Sony, noch am ehesten als engagiert, um den mit Konfliktmineralien in Verbindung gebrachten Problemen Herr zu werden. Keiner der großen Markenhersteller kann allerdings aufweisen, dass zumindest eines der üblichen Konfliktmineralien (Zinn, Tantal, Wolfram und Gold) bereits vollständig konfliktfrei bezogen wird.

Ein vergleichbares Bild zeigt die Berichterstattung zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Produktionsstätten. Auch hier überzeugt keines der großen Elektronikunternehmen mit einer umfassenden Berichterstattung. Demnach wird nicht deutlich, in welchem Umfang die Arbeitsbedingungen den geforderten Arbeitsstandards (Code of Conduct) der Markenhersteller entsprechen. In dem Zusammenhang ist allerdings wichtig zu betonen, dass die Code of Conduct’s der Markenhersteller selbst jeweils deutliche Schwächen aufweisen. Themen wie das Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit, Diskriminierung oder Sicherheit werden zwar eindeutig adressiert. Bei grundlegend wichtigen Arbeitsrechten, wie das uneingeschränkte Recht zum Beitritt in eine Gewerkschaft oder die Zahlung existenzsichernder Löhne, sind die Standards der untersuchten Hersteller jedoch überwiegend nicht ausreichend. Die Schaffung wirklich fairer Arbeitsbedingungen in der Produktion ist somit auf dieser Grundlage bei keinem der großen Markenhersteller in naher Zukunft realistisch.

 

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