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Baumwolle: große Käuferunternehmen nicht überzeugend

Baumwolle ist die wichtigste Naturfaser in der Textilindustrie. Der Anbau und die Weiterverarbeitung von Baumwolle hält allerdings schwerwiegende Folgen für Mensch und Umwelt bereit. Wie es um die Maßnahmen und tatsächlichen Resultate zum Bezug nachhaltigerer Baumwolle bei großen Käuferunternehmen bestellt ist, haben wir gemeinsam mit PAN UK, Solidaridad und dem WWF untersucht.

Der Report fasst die Untersuchungsergebnisse zu 37 der größten Bauwolle-Käuferunternehmen wie Adidas Gruppe, H&M GruppeInditexKeringNike, Inc. oder PVH zusammen. Diese Unternehmen produzieren u.a. populäre Marken wie Converse, COS, Puma, Reebok, Tommy Hilfiger oder Zara. Untersucht wurden dabei drei Themenbereiche: Maßnahmen, Resultate und Transparenz.

Download Report (leider nur in englischer Sprache)

Cotton Report 2016
 

Zusammenfassung der Ergebnisse

Kein Unternehmen konnte die maximale Bewertung von 19,5 Punkten erreichen. Mit 12,0 Punkten hat die IKEA Gruppe die beste Bewertung erzielt, gefolgt von C&A Global und H&M Gruppe mit jeweils 9,0 Punkten. Die Adidas Gruppe nimmt zudem mit 7,75 Punkten den dritten Rang ein. Lediglich acht der 37 untersuchten Unternehmen erzielen demgegenüber mehr als 3,0 Punkte. Sechs Unternehmen überschreiten hingegen nicht die 1,0 Punkteschwelle. 12 Unternehmen erzielen gar keinen Bewertungspunkt.

 

Overview-Cotton-Ranking

 

C&A Global und Nike, Inc. wissen bei den getroffenen Maßnahmen zur Verminderung des Einsatzes von Pestiziden, Wasser, Biodiversität, Arbeitsbedingungen und dem Recycling von Baumwolle noch am ehesten zu überzeugen. Kein Unternehmen überzeugt jedoch vollends. So sind zwar insbesondere die am besten bewerteten Unternehmen in Initiativen wie Better Cotton Initiative (BCI), CottonConnect, Textile ExchangeCotton Made in Africa (CmiA) oder dem Organic Cotton Accelerator (OCA) aktiv.

Überzeugende Maßnahmen die über die Mitgliedschaft in diesen Initiativen hinaus gehen und die gesamte Lieferkette für Baumwolle adressieren, werden allerdings kaum ersichtlich. So setzen sich die Mitgliedsunternehmen im Rahmen dieser Initiativen zwar für die Verminderung des Einsatzes von Pestiziden bei den angeschlossenen Farmerbetrieben ein. Die gesamte Baumwollproduktion wird dadurch jedoch nicht adressiert. Ganz abgesehen vom kompletten Ausschluss des Einsatzes von Pestiziden. Ansätze wie OCA stecken zudem noch in den Kinderschuhen.

Ein vergleichbares Bild zeigt sich zudem bei den Themen zum Gebrauch von Wasser beim Anbau, der Erhaltung der Biodiversität und insbesondere den Arbeitsbedingungen der ArbeiterInnen auf den Farmen. So verweisen zwar einige Unternehmen darauf dass der Bezug von Baumwolle aus Ländern wie Turkmenistan, Syrien und insbesondere Uzbekistan ausgeschlossen ist. Informationen zu Standards, Maßnahmen und Resultaten welche die Arbeitsrechte auf den Farmen in der gesamten Baumwollproduktion betreffen, liefert hingegen keines der untersuchten Unternehmen. Vielmehr beschränkt sich die Berichterstattung auch hier wieder auf getroffene Maßnahmen im Rahmen der Mitgliedschaft in Initiativen wie BCI, CottonConnect oder CmiA.

Bei den Bewertungsfragen zum tatsächlichen Bezug von nachhaltigerer Baumwolle erzielt die IKEA Gruppe die meisten Punkte. 57,6% der bezogenen Baumwolle wird entsprechend des BCI-Standards (Better Cotton) produziert. 20% sind zudem recycled. Bio-Baumwolle bezieht die IKEA-Gruppe hingegen nicht. Mit rund 33% deutet demgegenüber C&A Global an, dass hier der höchste Anteil Bio-Baumwolle verarbeitet wird – gefolgt von H&M Gruppe, mit rund 14%. 31 der 37 untersuchten Unternehmen erzielen hingegen gar keinen Bewertungspunkt beim tatsächlichen Bezug von nachhaltigerer Baumwolle.

Neben der Verarbeitung von Bio-Baumwolle, recycelter Baumwolle und Better Cotton wären für eine positive  Bewertung jedenfalls auch CmiA- sowie Fairtrade-Cotton akzeptabel gewesen. Mitunter scheiterte eine positive Bewertung jedoch auch an der mangelhaften Transparenz der Unternehmen. So gehört Inditex zwar zu den bestbewerteten Unternehmen bezüglich getroffener Maßnahmen, wird aber überhaupt nicht deutlich, wie hoch der Anteil bezogener nachhaltigerer Baumwolle tatsächlich ist.

Mangelhafte Transparenz stellt sich auch als Problem bei den Angaben zur Menge der bezogenen Baumwolle dar. Allein VF Corporation (200,000 Tonnen – nach eigenen Angaben rund 1% der globalen Gesamternte), IKEA Gruppe (140,000 Tonnen) und C&A Global (123,500 Tonnen) machen dazu positiv bewertbare Angaben. Aus welchen Ländern die Baumwolle bezogen wird verdeutlichen ausreichend ebenso nur zwei Unternehmen: IKEA Gruppe und C&A Global. In dem Zusammenhang weisen zudem nur die wenigsten Unternehmen auf, dass vollumfängliche Maßnahmen zur Herkunftsbestimmung der bezogenen Baumwolle umgesetzt werden.

Angaben zu den Lieferantenbeziehungen in den nachgelagerten Produktionsstufen (Garn- und Gewebeherstellung sowie Konfektion) macht ebenfalls kaum ein Unternehmen. Die H&M Gruppe weist hier die größte Transparenz auf. Es ist das einzige Unternehmen, welches Lieferantenbeziehungen auch in der Garn- und Gewebeherstellung, soweit bekannt, veröffentlicht. Die Adidas Gruppe, C&A Global, Nike, Inc., Hudson’s Bay, Target Corp. und Wesfarmers machen demgegenüber zumindest Angaben zu den Zulieferern in der Endfertigung der Bekleidung.

 

Detailled-Results

 

Alle Details zu den Untersuchungen gibt es im Report: Download

 

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